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Die Kunst, nicht auf alles zu reagieren

Margit Räuber-Mill
28. Aug.
2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 31. Aug.


Jemand sagt oder tut etwas, das uns nicht passt, und wir ärgern uns. Wir fühlen uns übergangen und sind verletzt. Eine Bemerkung fällt, und wir fühlen uns kritisiert. Wir stecken im Stau und sind genervt. Ein Klingelton, eine Benachrichtigung, und wir greifen zum Handy, noch bevor wir überlegt haben, ob wir das gerade wollen. Wir malen uns vor einer wichtigen Situation aus, wie wir versagen könnten, und werden unruhig.


Wir reagieren den ganzen Tag über, oft ganz automatisch, ohne dass wir uns dessen wirklich bewusst sind. Das hat Folgen, und diese tragen wir mit uns herum: Unzufriedenheit, Gereiztheit, innere Unruhe, Sorge, Frustration, Angst, Zweifel, Ärger, Erschöpfung.


Nicht auf alles zu reagieren bedeutet nicht, etwas zu verdrängen, aushalten zu müssen oder wegzuschauen. Es bedeutet auch nicht, gleichgültig zu werden oder passiv zu sein. Es geht um die mehr oder weniger impulsiven Reaktionen, die nichts Nützliches bewirken, sondern uns und andere nur belasten oder die Situation noch verschärfen.


Wo lässt sich ansetzen?


Bemerken, bevor wir reagieren

Der erste Schritt ist, die innere Reaktion überhaupt wahrzunehmen, bevor wir sie nach außen ausagieren. Denn nicht jede innere Regung muss zu einem Wort oder einer Handlung werden. Meist sind es Worte. Ein Satz, ein Gegensatz, und schon schaukelt sich etwas hoch, das niemand gewollt hat.


Genau dafür brauchen wir Achtsamkeit. Sie ist der Schlüssel. Durch sie nehmen wir die inneren Regungen nach und nach feiner und klarer wahr. Und wenn wir sie wahrnehmen, können wir innehalten. In diesem Innehalten entsteht eine Wahl: Will ich darauf reagieren oder nicht? Und wenn ja, wie?


Auch das Regulieren lässt sich lernen. Mit der Zeit gelingt es öfter, aus einem gewohnten Reaktionsmuster auszusteigen, statt ihm zu folgen.


Wir müssen nicht jeden Ball auffangen, der uns zugeworfen wird. Wir müssen nicht alles annehmen, was auf uns zukommt. Wir können einen Moment lang schauen: Nehme ich das an? Will ich darauf überhaupt antworten?


Manchmal ist es klüger, still zu bleiben.


Klar sehen und nicht alles auf sich beziehen

Der zweite Aspekt geht noch etwas tiefer. Wir nehmen so vieles persönlich. Dabei hat das, was ein anderer sagt oder tut, meist gar nicht so viel mit uns zu tun, sondern mit ihm selbst.


Es gibt dazu einen treffenden Satz: Was Karl über Hans sagt, sagt mehr über Karl aus als über Hans.


Was jemand äußert, erzählt von seinem Zustand, seiner Sicht auf die Welt, seinen Vorstellungen, seiner inneren Verfassung. Das muss mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmen. Aber es sagt etwas über ihn und über seine Gefühle und Bedürfnisse.


Ich kann mich also fragen: Wie geht es dieser Person gerade? Worum geht es ihr eigentlich? Und ich kann das tun, ohne es persönlich zu nehmen und ohne mir selbst untreu zu werden. Das heißt nicht, dass wir mit allem einverstanden sein müssen. Manchmal braucht es auch eine klare Grenze.


Was daraus entsteht

Was daraus entsteht, ist keine Passivität. Im Gegenteil: Aus Ruhe und Klarheit heraus können wir überhaupt erst überlegen, was jetzt zu tun ist. Was braucht die Situation jetzt? Was ist mir wirklich wichtig? Und was wäre ein Schritt, der dazu passt?


Was dabei wächst, ist eine innere Freiheit. Und aus ihr heraus entstehen innere Ruhe, emotionale Stabilität, Zufriedenheit und eine gewisse Gelassenheit gegenüber dem, was uns begegnet.


Diese Freiheit lässt sich üben. Die Achtsamkeitspraxis ist der Weg dorthin.

 

 









 

 


 
 
 

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